Auch im Jahr 2025 haben wir zusammen mit Certis Belchim einen Feldversuch durchgeführt, um den VineForecast-Algorithmus zu testen und zu verbessern. Wie schon im Vorjahr zeigte sich dabei: Mit dem Algorithmus lassen sich Pflanzenschutzmaßnahmen einsparen, ohne dass die Reben stärker von Krankheiten befallen wurden.
Die Bewertung der Ergebnisse war allerdings insbesondere für Oidium nicht ganz einfach – insbesondere Spätfrostschäden und die dadurch verstärkte Heterogenität in der Phänologie erschwerten eine klare Auswertung.
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Mehr InformationenVersuchsaufbau: neutraler Rahmen und klare Vergleichsvarianten
Der Versuch fand auf einer Müller-Thurgau-Parzelle des Weinguts Pitthan zwischen Zotzenheim und Welgesheim (Rheinhessen) statt. Für eine neutrale Durchführung übernahm die Eurofins Agrartest GmbH aus Spiesheim sämtliche Behandlungen und Bonituren.
Analog zum Vorjahr wurden jeweils für Peronospora und Oidium eine Standard- sowie eine VineForecast-Variante getestet. Jede Variante umfasste eine komplette Rebenreihe von ca. 120 Metern Länge. Beide Varianten wurden mit denselben Pflanzenschutzmitteln behandelt, unterschieden sich jedoch im Spritzintervall:
- Standard-Variante: fixes Intervall von ca. 10 Tagen
- VineForecast-Variante: variabel durch den Algorithmus gesteuert, zwischen 8 und 19 Tagen
Zusätzlich wurden unbehandelte Kontrollen angelegt, die gezielt nur gegen eine der beiden Krankheiten geschützt waren. Dadurch konnte sich die jeweils andere Krankheit frei entwickeln. Die Kontrollen der VineForecast-Variante lagen am nordwestlichen, die der Standard-Variante am südöstlichen Parzellenende.
Saisonverlauf: spezielles Mikroklima und Frost als zentrale Störfaktoren
Der Austrieb begann Ende April, jedoch mit deutlich verzögertem Wachstum gegenüber umliegenden Anlagen – ein Hinweis auf ein kühleres Mikroklima. Auch der Aufwuchs war sehr uneinheitlich: am 5. Mai konnten Entwicklungsstadien von BBCH 13 bis 53 gleichzeitig beobachtet werden.
Die erste Maihälfte war kühl und trocken, mit einer fast dreiwöchigen Regenpause. Peronospora spielte bis kurz vor der Blüte keine Rolle. Am 24. Mai führte ein Spätfrost zu beträchtlichen Schäden im nordwestlichen Teil der Parzelle (siehe Abbildung 2) – und damit insbesondere in den VineForecast-Kontrollen. Die betroffenen Reben trieben im Anschluss neu aus. Durch diese Reben blieb das Oidiumfenster in der Anlage bis zum Ende der Saison offen, da ein Teil der frostgeschädigten Reben erst im September BBCH 71 erreichten.
Die Blüte setzte im unbeschädigten Teil Mitte Juni ein. Danach begünstigten warme Temperaturen eine durchgehend hohe Oidium-Gefahr bis Mitte Juli. Ab Ende Juli rückte Peronospora durch wiederholte Niederschläge kurzzeitig stärker in den Fokus.
Ergebnisse im Peronospora-Versuch
Das Infektionsgeschehen bei Peronospora war 2025 insgesamt schwach ausgeprägt. Erst stärkere Niederschläge Ende Mai/Anfang Juni führten zu einem erhöhten Risiko, ohne dass jedoch typische Symptome (Ölflecken) sichtbar wurden – ein Phänomen, das nicht nur auf die Versuchsanlage beschränkt war, sondern in vielen Regionen beobachtet wurde. Beispielsweise schrieb der DLR Mosel in seinen Rebschutzmitteilungen Nr. 11 am 11.6.2025:
“Theoretisch ist momentan Druck im Kessel. Seit letzter Woche konnten weiterhin Primär- als auch Sekundärinfektionen ablaufen. Praktisch gestaltet sich das Bild aber anders: in normal geführten Anlagen haben wir noch keine Ölflecken gefunden oder gemeldet bekommen. In nicht ausreichend bewirtschafteten Anlagen findet sich mittlerweile die Pero, wenn auch nur in Einzelfunden.”
Der Eindruck, dass Ölflecken nur in “Einzelfunden” zu beobachten waren, wurde zu diesem Zeitpunkt auch von den Pflanzenschutzberatern von Certis Belchim geteilt. Deutliche Symptome traten erst zwischen Mitte Juli und Anfang August auf, insbesondere in der unbehandelten Kontrolle der VineForecast-Variante (Befall: 11 % an den Blättern). Die Trauben blieben weitgehend verschont, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine natürliche Altersresistenz entwickelt hatten.
Behandlungsbilanz:
- Standard-Variante: 8 Spritzungen (Beginn am 6. Mai, BBCH 14/15)
- VineForecast-Variante: 6 Spritzungen (Beginn am 23. Mai, 17 Tage später)
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Produkt |
VineForecast-Spritzfolge |
Standard-Spritzfolge |
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Folpan |
Übersprungen |
6.5.2025 (11 Tage) |
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Videryo F |
23.5.2025 (10 Tage) |
17.5.2025 (11 Tage) |
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Profiler |
2.6.2025 (11 Tage) |
28.5.2025 (9 Tage) |
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Zorvec Zelavin Bria |
13.6.2025 (12 Tage) |
7.6.2025 (12 Tage) |
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Mildicut |
25.6.2025 (10 Tage) |
19.6.2025 (11 Tage) |
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Pergado |
5.7.2025 (16 Tage) |
30.6.2025 (12 Tage) |
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Delan Pro |
21.7.2025 |
12.7.2025 (12 Tage) |
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Funguran |
Übersprungen |
24.7.2025 |
In beiden Varianten blieb der Befall an Blättern und Trauben nahezu bei 0 %. Diese Ergebnisse zeigen erneut, dass mittels des VineForecast-Algorithmus die Möglichkeit besteht, den Pflanzenschutz zu reduzieren, ohne einen erhöhten Befall zu riskieren.
Ergebnisse im Oidium-Versuch
Oidium prägte die Saison deutlich stärker. Spätestens ab der Blüte war das Infektionsrisiko durchgehend hoch. Der Spätfrost am 24. Mai traf besonders die VineForecast-Kontrolle, wodurch die Reben sehr heterogen nachtrieben. Durch diese Heterogenität im Wachstum befand sich zu fast jedem Zeitpunkt ein Teil der Reben im empfindlichen Oidiumfenster – also im Entwicklungsstadium rings um die Blüte, in dem die Pflanzen besonders anfällig für Infektionen sind. Diese erhöhte Anfälligkeit spiegelte sich anschließend auch in einem erhöhten Befall in der VineForecast-Kontrolle im Vergleich zur Standard-Kontrolle wider:
- VineForecast-Kontrolle:
- Blätter: 59 %
- Trauben: 45%
- Standard-Kontrolle:
- Blätter: 33%
- Trauben: 46%
An den Trauben traten keine Unterschiede in den Ergebnissen auf, da nur entwickelte Trauben in die Bonitur am Ende der Saison einbezogen wurden, während die stärker befallenen noch unterentwickelten Trauben an den frostgeschädigten Reben in der VineForecast-Kontrolle unberücksichtigt blieben.
Sowohl die VineForecast als auch die Standard-Variante erhielten 8 Behandlungen. Der Befall konnte in beiden Fällen stark reduziert werden. Der Befall in den Varianten zeigte zudem keinen signifikanten Unterschied. Die geringfügigen Unterschiede zwischen den Varianten sind daher der natürlichen Varianz im Feld zuzuordnen.
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Produkt |
VineForecast-Spritzfolge |
Standard-Spritzfolge |
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Netzschwefel |
6.5.2025 (17 Tage) |
6.5.2025 (11 Tage) |
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Belanty |
23.5.2025 (10 Tage) |
17.5.2025 (11 Tage) |
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Dynali |
2.6.2025 (8 Tage) |
28.5.2025 (9 Tage) |
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Luna Max |
10.6.2025 (9 Tage) |
7.6.2025 (12 Tage) |
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Talendo |
19.6.2025 (8 Tage) |
19.6.2025 (11 Tage) |
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Sercadis |
27.6.2025 (12 Tage) |
30.6.2025 (12 Tage) |
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Kusabi |
9.7.2025 (19 Tage) |
12.7.2025 (12 Tage) |
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Kumar |
28.7.2025 |
24.7.2025 |
Einflussfaktor “Befall in angrenzenden Anlagen”
Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich, dass stark befallene Kontrollen den Krankheitsdruck in benachbarten, behandelten Varianten deutlich erhöhten. Varianten, die nicht direkt an befallene Kontrollen angrenzten, wiesen hingegen einen sichtbar geringeren Befall auf. Aktuelle Modelle wie VineForecast oder OiDiag von VitiMeteo berücksichtigen solche äußeren Einflussfaktoren bislang nicht. Sie berechnen das Infektionsrisiko ausschließlich auf Grundlage meteorologischer Variablen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Zukünftig sollten Modelle deshalb erweitert werden, indem auch externe Faktoren – etwa der Befall in angrenzenden Anlagen – in die Risikoabschätzung einbezogen werden. Bei VineForecast arbeiten wir bereits daran, diese biologischen Faktoren schrittweise in die Modellierung zu integrieren.
Fazit
Der Feldversuch 2025 bestätigt: Mit VineForecast lassen sich Pflanzenschutzmaßnahmen insbesondere für Peronospora einsparen, ohne signifikant höhere Befallswerte zu riskieren. Für Oidium schränkten Spätfrostschäden und deren Auswirkungen auf den Feldversuch die Aussagekraft der Ergebnisse deutlich ein. Für künftige Versuche sollte die Erfassung der Frostschäden Teil des Boniturs werden, um mögliche Zusammenhänge zwischen erhöhtem Befall und Frostschäden besser zu quantifizieren. Zusätzlich zeigt der Feldversuch auf, dass biologische Einflussfaktoren wie der Befall in der Anlage (und bei Nachbarn) in Zukunft Teil der Oidium-Modellierung sowie der Pflanzenschutzstrategie werden müssen.


